Anja Wolfermann:

Über mich und was mich bewegt – meine Wegbegleiter und Inspirationsquellen

Frau Wolfermann

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die den größten Platz in unserem Herzen einnehmen.

(Winnie Puuh)

 

Was mich trägt, sind echte Begegnungen – mit Tieren, Menschen, Orten und der Natur. Mein Weg ist geprägt von stillen Momenten, kraftvollen Erfahrungen und einem tiefen Lauschen auf das, was sich zeigen möchte. Hier erzähle ich von dem, was mich bewegt hat, mir Wegweiser war – und von den Wesen, die mich begleitet haben.

 

Ich wurde 1970 in Berlin geboren. Die Natur ist für mich eine Quelle der Klarheit und Erneuerung. Sie führt mich immer wieder zu mir selbst zurück. Jeder Tag, den ich draußen verbringen kann – umgeben von all den kleinen und großen Wundern –, ist ein Geschenk.

Pferdeauge

Pferde faszinieren mich. Sie sind meine Lehrer im „Hier und Jetzt“. Ich liebe es, sie auf der Weide zu beobachten, einfach bei ihnen zu sein oder mit ihnen vom Boden aus in Kontakt zu treten. Ihre Präsenz, ihre Wildheit, ihre Freiheit und ihre Weisheit bereichern mein Leben auf tiefgreifende Weise. Und das Schönste ist: Sie geben mir täglich neue Chancen, verzeihen mir, sind geduldig mit mir.

 

Eine besonders prägende Zeit war für mich die auf dem Pferdehof ArhönA, - ein besonderer Ort, den es heute leider nicht mehr gibt. Dort durfte ich mit vielen verschiedenen Pferden – und damit mit sehr unterschiedlichen Charakteren – in Beziehung sein. Sie haben mir gezeigt, wie einzigartig jedes Lebewesen ist und wie wichtig es ist, sich immer wieder neu einzulassen. Offenheit, Präsenz und respektvolle Neugier – das ist es, was ich von ihnen gelernt habe.

 

Eine fünftägige spirituelle Wanderung mit einer Gruppe Menschen und Pferden - und meiner damals dreijährigen Stute Farina- war für mich eine der tiefgreifendsten Erfahrungen auf meinem Weg. Diese Reise durch die Natur, die stille Verbindung zu Farina und den anderen Pferden, das Getragen sein durch den Rhythmus des Gehens – all das hat mich tief berührt. Marianne Schneider hat mich auf dieser Reise begleitet. Ihr verdanke ich viele kraftvolle Impulse: kleine Rituale, wie das Errichten von Altären, Trommelmeditationen im Wald, der bewusste Umgang mit Übergängen im Leben. Sie hat mir gezeigt, wie einfach es sein kann, Spiritualität in den Alltag zu integrieren. Auch einer Reise mit ihr in die Mongolei – zu einem noch sehr ursprünglich lebenden Naturvolk – verdanke ich prägende Erfahrungen. Es war eine Reise in eine andere Welt und zugleich eine Rückkehr zu etwas sehr Ursprünglichem in mir selbst.

Pferd Reiten Weg

Mein wichtigster Lehrer war mein Pferd Azimut. Mit großer Geduld hat er mir gezeigt, was er braucht, um sich verstanden zu fühlen. Durch ihn habe ich eine tiefere Ebene der Kommunikation und des Vertrauens entdeckt. Sein Tod war für mich eine sehr schmerzliche Erfahrung – ich konnte nicht bei ihm sein, als er ging. Und doch hat genau das mir eine neue Dimension eröffnet: Ich durfte erleben, dass Nähe auch auf Distanz möglich ist, dass Begleitung über Grenzen hinweg geschieht. Der Abschied von ihm war eine Zeit voller Rituale, Tiefe und Trauer – und ich bin ihm dankbar, dass er mich diesem Raum nähergebracht hat. Heute kann ich Menschen im Umgang mit Sterben, Tod und Abschied einfühlsam zur Seite stehen – vielleicht, weil ich in dieser Zeit selbst so viel erfahren durfte.

 

Auch von vielen Horsemanship-Lehrer*innen konnte ich lernen: Honza Blaha, Lene Husch, Daniela Frattolino, Ian Benson, Alfonso Aguilar, Mark Rashid und Steve Halfpenny haben mein Verständnis von Pferden und die Art, wie ich mit ihnen in Beziehung gehe, auf je eigene Weise bereichert. Jede*r von ihnen hat mir eine neue Perspektive eröffnet – und so durfte ich Schritt für Schritt meinen eigenen Weg mit Pferden weiterentwickeln.

Einer meiner inspirierendsten Wegbegleiter ist Darrel Combs. Auch wenn ich ihn leider viel zu selten sehe, hat kaum jemand meine Verbindung zur Natur so tief geprägt wie er. Ich erinnere mich besonders an einen Workshop mit ihm, der mich bis heute begleitet. Zu Beginn jeder Einheit leitete er eine stille Meditation an, bevor wir alleine in den Wald gingen. Ich lief mit langsamen, bedachten Schritten, meine Sinne weit geöffnet, ganz im Einklang mit dem, was Darrel uns zuvor gelehrt hatte: in die Zwischenräume zu lauschen, das Unsichtbare zu spüren. An diesem Tag wurde ich eins mit dem Wald. Ich sah einen Hasen, der mich anschaute, dann ein Stück vorauslief, stehenblieb, wieder zu mir blickte – als wollte er mir etwas zeigen. Ich folgte ihm, leise, achtsam, bis er im Wald verschwand. Dort entdeckte ich eine Buche, die mich tief berührte: Zwei Stämme, die wie ein tanzendes Paar miteinander verwoben waren, mit einem Ast, auf dem ich sitzen konnte. Seither besuche ich diesen Baum immer wieder, wenn ich in der Nähe bin – eine tiefe Verbindung ist daraus gewachsen. Es sind Momente wie dieser, für die ich Darrel dankbar bin. Er hat mich gelehrt, hinter die Dinge zu schauen, zwischen die Zeilen des Lebens zu hören – bei Menschen ebenso wie bei Tieren und Pflanzen. Diese Haltung prägt meine therapeutische Arbeit.

Ausrüstung

 

 

Ohne das Reisen fehlt mir etwas Wesentliches. Ich liebe es, mich in unbekannten Landschaften zu verlieren, mich von fremden Farben, Gerüchen und Formen berühren zu lassen. Die Natur wird dabei zum Spiegel – sie zeigt mir neue Seiten an mir selbst, lässt mich staunen und erinnert mich daran, dass Veränderung Leben bedeutet. Heimweh habe ich nie gekannt: Stattdessen begleitet mich eine tiefe, immer wiederkehrende Sehnsucht – ein innerer Ruf, Neues zu entdecken. Ich nenne es Fernweh.

Feld

 

Während meines Studiums bin ich diesem Ruf für sieben Monate nach Ecuador gefolgt. Dort durfte ich in eine mir völlig neue Welt eintauchen – in die Wärme einer anderen Kultur, in unbekannte Landschaften, in eine andere Sprache, in eine andere Zeit. Es war eine prägende Erfahrung: zu erleben, wie bereichernd es ist, mit offenen Sinnen in das Leben anderer einzutauchen und dadurch auch sich selbst neu zu begegnen. Seitdem sind viele weitere Reisen gefolgt – jede auf ihre Weise ein Geschenk, ein inneres Weiterwerden.

Stockkampf

 

Neben der Arbeit mit Pferden ist der Stockkampf zu einer weiteren Leidenschaft geworden. Als ich das erste Mal bei Sibylle Magel in einem Schnupperkurs die Stöcke in der Hand hielt, spürte ich eine unmittelbare Kraft – etwas Neues, Wildes, sehr Direktes. Das hat mich tief berührt. So sehr, dass wir später gemeinsam einen Kurs mit dem Titel „Stock und Pferd“ entwickelt haben. Die Klarheit und Präsenz, die durch diese Arbeit entsteht, beeindruckten mich bis heute. Inzwischen gebe ich selbst Fortbildungen in dieser Form – ich wünsche mir, dass viele Menschen diese Erfahrung von Kraft, Klarheit und Verbindung für sich machen dürfen.

Es waren immer wieder Begegnungen, die mich auf meinem Weg berührt und verändert haben. Manche Menschen haben mich nur kurz begleitet, andere tief geprägt. Besonders dankbar bin ich den beiden Wegen, die sich wie Herzlinien durch meine therapeutische Arbeit ziehen: der integrativen Pränataltherapie bei Matthew Appleton und der bindungsorientierten Körperpsychotherapie mit Eltern, Babys und Erwachsenen bei Thomas Harms.


Beide Wege haben mir auf ihre Weise gezeigt, wie früh wir beginnen, Beziehung zu erfahren – und wie sehr sich diese Erfahrungen in unser Nervensystem und in unser Körpergedächtnis einschreiben. Es ist ein großes Geschenk, mit Menschen an diesen frühen Schichten arbeiten zu dürfen. Immer wieder staune ich, wie lebendig und wandlungsfähig wir sind – und wie sehr uns ein sicherer Raum, achtsame Präsenz und ehrliche Berührung (auch im übertragenen Sinn) helfen können, in Kontakt mit uns selbst zu kommen.


Diese Arbeit hat mich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich verändert. Sie hat mir geholfen, eigene frühe Erfahrungen anzunehmen, meinem Körper mehr zu vertrauen und immer wieder neu in Beziehung zu gehen – mit mir selbst, mit anderen und mit dem Leben.

Frau geht mit Weißem Pferd spazieren

Meine neueste Ausbildung zur Naturprozessbegleiterin in der Draußenzeit war wie ein Heimkommen – zurück zur Natur, zurück zu mir selbst. Ähnlich wie damals bei Darrel, meinem Lehrer, war es nicht nur eine Weiterbildung, sondern ein Weg, der mich wieder mehr mit dem Leben verbunden hat.

 

Gemeinsam mit meiner Freundin Claudia Sotke, die ich während der Ausbildung zur Psychotherapie am Pferd kennengelernt habe, gehe ich diesen Weg. Es berührt mich, dass auch sie Natur und Pferde als so kraftvoll erlebt wie ich. Uns verbindet nicht nur eine tiefe Freundschaft, sondern auch eine gemeinsame Sprache – für das, was oft jenseits von Worten geschieht. Unser regelmäßiger Austausch, das gemeinsame Fragen, Forschen, Erleben – all das macht diesen Prozess besonders wertvoll.

Bogenschießen auf Pferd

Ein Moment hat sich tief in mir eingebrannt: Ich wollte allein im Wald in meiner Hängematte übernachten – ein bewusster Schritt raus aus der Komfortzone. Doch dann zogen plötzlich Gewitterwolken auf, es blitzte und donnerte. Ich musste schnell meine Sachen zusammenpacken. Der Wald war mir noch fremd, ich fand den Ausgang nicht. Erst als ich mich innerlich mit Darrel und meinem Pferd Azimut verband, war er plötzlich da – direkt vor mir. Wie ein klares Zeichen, eine Kraft von außen, die mich geführt hat.


Diese Ausbildung hat mich gelehrt, wie viel Weisheit in der Natur liegt – und wie sehr auch die Pferde diesen Raum mittragen. Schon in der Ausbildung bei Monika Mehlem zur körperorientierten Psychotherapie am Pferd durfte ich erleben, wie feinfühlig Pferde ihre Impulse einbringen. Es geht nicht um Reiten oder Bodenarbeit, sondern um Beziehung, Resonanz und stilles Verstehen.

Käfer auf Blume

 

Und dann ist da noch meine Liebe zum Kleinen. Mein Auge – und mein Herz – haben eine besondere Zuneigung für das, was leicht übersehen wird. Ein Käfer, kaum größer als ein Fingernagel, mit einem Herz auf dem Rücken. Eine verdorrte Blüte, die in der Vergrößerung neue Schönheit entfaltet. Mit meiner Kamera versuche ich, diesen Momenten Raum zu geben – das Unscheinbare sichtbar zu machen, das Besondere im Kleinen zu feiern. Genauso begegnen mir auch Menschen: Ich sehe gern hinter die Fassade, spüre, was darunter leuchtet – und bringe das ans Licht.

Blume - Biene

 

 

Ich glaube daran, dass in jeder Begegnung ein tieferes Wissen liegt. Und ich freue mich auf all jene, die sich mit mir auf den Weg machen möchten – mit allem, was sie sind.


Lebenslauf

Anja Wolfermann

Anja Wolfermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie (seit 2006)
Fachberaterin für Bindungsorientierte Körperpsychotherapie,
(EEH, Basic Bonding, Integrative Babytherapie)


Tanz- und Bewegungstherapeutin BTD ©, Ausbilderin BTD ©


Psychotherapie am Pferd


Dipl. Sozialarbeiterin/-pädagogin (1997) Erzieherin (1990)

Ich fühle mich als Lernende – mein Weg führt mich stetig weiter, doch die wichtigsten Lehrer*innen sind für mich die Pferde, die Natur und meine Klient*innen. Ihnen danke ich vom Herzen für all das, was ich durch sie erfahren darf.


Aktuelle berufliche Tätigkeit
  • Seit 2004 Freie Praxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Trauma

  • Seit 2019 als Sozialarbeiterin bei ProMädchen: - Gruppenarbeit mit essgestörten Mädchen und Begleitung von traumatisierten Mädchen und jungen Frauen

  • Seit 2014 Honorartätigkeit bei der Frauenberatungsstelle Düsseldorf:  - Begleitung traumatisierter Frauen

  • Seit 2005 bis heute Krisentelefon der Frauenberatungsstelle in Düsseldorf


Weiterbildung
  • 2024 – 2025 Naturverbundene Prozessbegleitung bei Draußenzeit

  • 2015 - 2018 Bindungsorientierte Bindungsorientierte Körperpsychotherapie bei Thomas Harms

  • 2015 – 2017 Integrative Babytherapie bei Matthew Appleton

  • 2015 - 2017 Emotioneller Ersten Hilfe (EEH)- Hilfe für Schreibabys, Stärkung der Bindung

  • 2012 - 2014 Basic Bonding (Schmetterlingsmasse und Hilfe für Eltern-Kind Bindung)

  • 2006 Heilpraktikerin für Psychotherapie (Prüfung)

  • 2007 -2009 Supervision und Vertiefung Körperorientierte Psychotherapie am Pferd

  • 2004 - 2006 Weiterbildung Psychotherapie am Pferd bei Monika Mehlem

  • 2011 Anerkennung Ausbilderin BTD ©

  • 1999 - 2004 Tanz- und Bewegungstherapeutin bei Imke Fiedler


Fortbildungen

Anja Wolfermann

  • 2024 SEI © Basismodul 2 Online bei Dami Charf (Integration früher Prägungen und Lebensmuster i.A.

  • 2021 SEI © Basismodul 1 Online bei Dami Charf (Traumatherapie Frühe Verletzungen und Entwicklungstrauma erkennen und heilen) i.A.

  • 2020 – 2021 Onlinekurs: Traumatherapie bei Universitätsklinik Ulm

  • 2019 Egostate-Therapie bei Uwe Hess

  • 2017-2019 TRIMB © bei Ellen Spangenberg

  • 2012 bis 2013 TATT - Traumaadaptierte Tanztherapie bei Erika Sander und Claudia Schedlich

  • 2008 - 2010 Kestenberg Movement Profile (KMP)– Bewegungsanalyse

  • 2016 Supervision für Tanztherapeutinnen (Imke Fiedler)

  • 2004-2005 DBT für Tanztherapeutinnen

  • diverse schamanische Seminare bei Marianne Schneider


Lebens- /Berufserfahrungen
  • 2004 - 2019 Freiberufliche Tanztherapeutin in der Psychiatrie/ Psychosomatik/Suchtklinik St. Johannes Hospital Hagen - Elsey

  • 2002 - 2003 Praktikum auf dem Reckeroder Hof bei Bettina Schürer- klassische Reitkunst

  • 1997 bis 2003 Soziokulturelle Arbeit auf dem Pferdehof ArhönA

  • 1997 – 1998 Anerkennungsjahr Mädchenkrisenwohnung Wildwasser in Berlin

  • 1997 – 1997 Anerkennungspraktikum im Bezirksamt Charlottenburg beim Sozialmedizinischen Dienst

  • 1991 – 1993 Sekretärin bei der Firma FileNet zur Finanzierung des Studiums